Denkableitungen beim Jurastudium

Aus Jura Base Camp
Wechseln zu: Navigation, Suche

Denken bedeutet, geistig zu arbeiten. Juristisches Denken entsteht aus der Beziehung zwischen Gesetz und Fall, nicht aus der Reflexion über das Gesetz. In der Juraausbildung kommt es zu einer Menge juristischer Denkableitungen: Durchdenken: Das systematische Durchdringen und Ergründen juristischer Institute, Gesetze und Netzwerke. Eindenken: Die forschende, neugierige Arbeit am Anfang eines zu erarbeitenden Falles mit einem Schuss von Motivationsfunktion. Erdenken: Die Aufgabe, Assoziationsketten zu knüpfen, Baumdiagramme zu entwickeln und Kreativität zu entfalten. Herausdenken: Der Mut, eingefahrene juristische Wege zu verlassen. Hineindenken: Das Einbuchstabieren in juristische Proble- me sowie das Einfühlen in juristische Autoritäten. Mitdenken: Die notwendige überlebenswichtige, begleitende Tätigkeit beim „Vorlesen“ des Dozenten oder beim „Selbstlesen“ der juristischen Autoren. Nachdenken: Der Vorgang des schleichenden Nachgehens schon durch Gerichte und Wissenschaftler vorgedachter juristischer Gedanken. Querdenken: Die innovative, Alternativen suchende, kreative Fähigkeit, juristisch Neues im juristisch Alten zu finden. Teildenken: Die Fähigkeit, juristische Systeme zu reduzieren und die Einzelteile wieder zu synthetisieren (Puzzle-Technik). Überdenken: Die sinnierende Arbeit am Ende eines Erarbeitungsabschnitts mit einem Schuss von Sicherungsfunktion. Umdenken: Das Übersetzen fremder juristischer Gesetzes-, Literatur- und Rechtsprechungstexte in die eigene Sprachwelt. Vorausdenken: Das planmäßige, zeitlich und räumlich organisierte und systematische Herangehen an die juristischen Arbeiten. Weiterdenken: Das Schließen von Gesetzeslücken auf der Fährte der Analogie, des Umkehrschlusses und der teleologischen Reduktion. Zerdenken: Das immer wieder neue Sezieren der Gesetze in ihre Konditionalprogramme und das Herausstanzen der Tatbestandsmerkmale und Rechtsfolgen. Zurückdenken: Das reproduzierende Erinnern juristisch gespeicherter Stoffgebiete und das Memorieren gemachter Erfahrungen. Zusammendenken: Das Zusammenstellen juristischer Einzelheiten zu einem juristischen Ganzen.

23.png

Deskriptives Tatbestandsmerk-mal Unter deskriptiven Tatbestandsmerkmalen (lat.: describere, d.h. beschreiben) versteht man Merkmale, die ein vorgegebenes Phänomen des realen Seins beschreiben. Deutlicher: deren Sinngehalt aus sich heraus verständlich ist, deren Feststellung also durch einfache „Wahr“-Nehmung erfolgen kann, ohne dass es einer rechtlichen Wertung bedarf (leibliche Geschwister in § 173 Abs. 2 S. 2 StGB; Frau in § 218 Abs. 4 StGB; Mensch in §§ 211, 212 StGB; Sache in §§ 242, 303 StGB; beschädigen oder zerstören in § 303 StGB; Gebäude in § 305 StGB). Den Gegensatz bilden die normativen Tatbestandsmerkmale.


Mehr über das Jurastdium erfahren Sie hier: http://www.dunddverlag.de/index.php/juristische-entdeckungen/band1