Hausarbeit

Aus Jura Base Camp
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Hausarbeit soll zeigen, dass Sie in der Lage sind, innerhalb einer vorgegebenen Zeit einen juristischen Sachverhalt bzw. eine juristische Fragestellung (im Regelfall fallorientiert, selten themenorientiert, noch seltener entscheidungsorientiert) selbstständig nach wissenschaftlichen Methoden und Standards (Wissenschaftliches Arbeiten) zu bearbeiten. Sie errichten ein gedankliches Gebäude, indem Sie juristischen Stein auf juristischen Stein setzen.

Das Problem vieler guter Studierender ist weniger, dass sie mit ihrer Hausarbeit die Erwartungen ihrer Dozenten nicht erfüllen, als dass sie unter ihren eigenen Anforderungen zurückbleiben könnten. Kämpfen Sie gegen dieses alles lähmende Gefühl an!

Probleme beim Abfassen wissenschaftlicher juristischer Hausarbeiten hat jeder, aber keiner spricht darüber! Deshalb ist es so schwer, Erfahrungen auszutauschen. Häufig stoßen Sie wahrscheinlich auf folgende Probleme:

„Ich kann mich einfach nicht ausdrücken!“ Das ist häufig nur die Verhüllung von „Ich habe kein Wissen über wissenschaftliche Darstellungsform, Schwierigkeiten bei der Strukturierung, fehlende Planungsstrategien und Defizite in der Literaturauswahl!“ Zerschlagen Sie den unüberwindlichen Brocken in lauter kleine Stücke und nehmen Sie sich jedes kleine Stück einzeln vor!

„Ich kann nicht anfangen.“ Beginnen Sie möglichst früh mit dem Schreiben und haben Sie Mut zum Müll! Der Papierkorb ist wichtig! Fangen Sie bald mit Grobgliederung, Klausurlösung und Exposé an! Dabei dürfen Sie durchaus Vorläufiges produzieren! Die große Angst vor dem leeren Blatt überwinden Sie durch Portionierungen. Die Tour de France wird auch nicht „am Stück“ gefahren! Entscheiden Sie sich dafür, zunächst das Wichtigste anzugehen! Das Wichtigste ist das Nächste! Ihr Text muss nicht auf Anhieb stehen. Er ist zunächst doch nur eine Arbeitsgrundlage. Das Wichtigste gegen das Nichtanfangenkönnen ist: Fangen Sie noch heute an! „Das klingt blöd!“ Also: löschen! „Ich telefoniere erst mal!“ Keine Aufschieberitis! Schreiben Sie sich frei! Schreiben Sie alles auf, was Ihnen so durch den Kopf geht zu diesem oder jenem Punkt – ja, auch unsortiert. Aber schreiben Sie! So überwinden Sie schreibend Ihre Angst vor dem Schreiben. Jeder unvollkommenste Text ist besser als gar kein Text. Denn man kann ihn bearbeiten, verändern, umschreiben, ergänzen – den „blöden Text“. „Ich bin so allein.“ Holen Sie sich von Freunden Feedback! Erklären Sie ihnen doch einmal Ihr Thema!

„Ich finde einfach keinen Anfang!“ Dann beginnen Sie Ihre Arbeit eben nicht mit der ersten Anspruchsgrundlage oder dem ersten Tatabschnitt. Fällt Ihnen zum ersten Punkt nichts Genaues ein, können Sie auch ruhig mittendrin ansetzen, bei dem Teil nämlich, der Ihnen am besten liegt oder am meisten Spaß macht. Wichtig ist, überhaupt erst einmal ins Schreiben und wissenschaftliche Arbeiten zu kommen und ermutigende Erfahrungen zu machen. Später können Sie dann die Einzelteile zusammenpuzzeln!

„Ich verliere den Mut.“ Machen Sie zwischendurch öfter einmal eine Bestandsaufnahme nach dem Motto: „Was ich schon alles habe!“ Das wärmt!

„Ich kann am Morgen nicht anfangen.“ Lesen Sie sich den Text vom Vortag immer noch einmal vor! Und zwar laut! So stellen Sie den Zusammenhang klar und schließen bewusst am Alten an! – Trick: Brechen Sie Ihren Text am Vortage mittendrin ab und skizzieren Sie nur den Fortgang! Am folgenden Tag werden Sie spontan das Bedürfnis haben, den angefangenen Gedanken auszuführen – und schon haben Sie begonnen!

„Stimmt das überhaupt?“ – „Ist das überhaupt wissenschaftlich?“ – „So kann man das doch nicht sagen!“ – „Die anderen kriegen das bestimmt viel besser hin!“ Bei einer wissenschaftlichen Leistung kann man sich selten mit einem anderen vergleichen und so verliert man nach und nach das Gefühl für seine Stärken und Schwächen. Sie sind Einzelkämpfer im Kampf gegen den Zeitdruck, den Perfektionismus, die Selbstüberforderung. Der innere Kritikus hat in dieser Situation immer leichtes Spiel. Deshalb: Gestehen Sie sich ein, dass es natürlich immer noch besser, präziser, überzeugender, ausführlicher, wissenschaftlicher und anschaulicher ginge, dass Sie aber nun einmal nur eine begrenzte Zeit für Ihre Arbeit zur Verfügung haben. Einsicht gewinnen in die notwendige Unvollkommenheit.

„Was wird mein Dozent nur von mir denken?“ Denken Sie nicht an den Dozenten, seine krause Stirn, seinen prüfenden Blick, seinen Wissensvorsprung – dabei kann man leicht den Mut verlieren! Treten Sie aus dem ständigen zermürbenden Dialog mit dem Dozenten aus und in den mit Ihnen selbst ein! Das hilft beim Reduzieren der eigenen überfordernden Ansprüche und gibt eine realistische Messlatte. Welche Ziele wollen Sie mit Ihrer Arbeit erreichen? Vielleicht wollen Sie mehr erreichen, als Sie sich selber eingestehen? Konfrontieren Sie Ihre eigenen Anforderungen mit den gestellten Anforderungen. Überzogene Selbstkritik ist die Last von Perfektionisten. Sie sehen im großen Gesamtwerk immer nur die Winzigkeiten, die nicht klappen. Seien Sie kein Perfektionist! „Ich finde nicht die passende Entscheidung.“ Steigen Sie nicht irgendeiner Entscheidung nach, die Ihr Thema angeblich genau trifft. Eine solche gibt es nicht! Glätten Sie nicht immer wieder Formulierungen, indem Sie dreimal neu ansetzen! Leben Sie mit dieser Formulierung! Suchen Sie nicht Zitate, von denen Sie nicht mehr genau wissen, wo sie standen. Eine Endlossuche! Lassen Sie diese einfach weg! Lösen Sie Ihre „Schreibkrämpfe“ durch Lockerungsübungen, indem Sie einmal ganz spielerisch zu einer Unterfrage Ihres Themas Stellung nehmen.

„Alles ein einziges Chaos!“ Chaos!! Dieses Gefühl kennt jeder – nicht nur Sie! Sie haben Unmengen gelesen, sind Fotokopierweltmeister, haben Krämpfe vom Exzerpieren, haben viel nachgedacht, das dritte Exposé geschrieben, der Computer quillt über – und trotzdem keinen Überblick gewonnen. Statt dessen füllt sich nun Ihr Papierkorb – nicht Ihre Literatur- und Schlagwortkartei. Ihnen ist schon gar nicht mehr klar, worum es bei Ihrer Hausarbeit eigentlich geht?! Pause einlegen! Abwechslung schaffen! Gedanken ordnen! Alle Gedanken drängen gleichzeitig nach vorne, sortieren Sie sie untereinander auf einem Stück Papier! Schrei-ben Sie einen kurzen Kommentar zu Ihrer Stimmung – danach geht’s wieder! „Was ist gerade für mich so schwierig?“ – „Warum droht bei mir alles zusammenzustürzen?“ – „Was könnte mir helfen?“

„Ich kann mich nicht motivieren.“ Die eigene Motivation ist äußerst wichtig! Deshalb: Versuchen Sie, Interesse (lat: inter-esse, d.h. darin-sein, dazwischen-sein) am Thema zu finden. Machen Sie es vom „Dozenten-Feind-Thema“ zu Ihrem eigenen „Studenten-Freund-Thema“! Setzen Sie Reize, lassen Sie Neugier und Entdeckerfreude lebendig werden! Oft sinkt die Motivation bei wissenschaftlichen Arbeiten einfach deshalb, weil man vor Bergen von Materialien hockt, die nicht mehr zu überschauen sind.

Dagegen helfen kleine „überschaubare“ Arbeitsaufträge an sich selbst. Unterteilen Sie, portionieren Sie die vor Ihnen liegende Ar-beit. Und: Kommunizieren Sie mit Anderen!

Problemen liegt oft ein Teufelskreis zugrunde: Fehlplanung – „Aufschieberitis“ – Ablenkung – Frust – Selbstbestrafung durch unrealistische Neu-(Fehl-) Planung – Versagerängste – Vermeidung – Stillstand! Dagegen hilft die Formel: P.O.K.E.R! – und Sie sind König in Ihrem wissenschaftlichen Arbeitsreich:

Planen Sie Ihre Arbeit von Anfang an! Vermeiden Sie jeden Zeitdruck! Sie müssen einen Arbeitsplan erstellen von Tag 1 bis Tag X! Schauen Sie zu, wie sich Ihr Plan verwirklichen lässt.

Organisieren Sie Ihre Arbeit! Sorgen Sie für einen reibungslosen, störungsfreien Ablauf! Halten Sie die regelmäßigen Arbeitszeiten, Freizeiten, Pausen und vorbereiteten Erholungsphasen planmäßig ein! Haken Sie auf Ihrem Arbeitsplan an Ihrer Pinwand ab, was erledigt ist.

Kontrollieren Sie Ihre Inhalte, Ihr Literaturumfeld und Ihre Arbeitsbedingungen! Ziehen Sie immer Zwischenbilanz.

Entlohnen Sie sich für Ihre Arbeit! Vergessen Sie nicht, sich öfter etwas Gutes zu tun.

Rhythmisieren Sie Ihre Arbeit! Streben Sie ein Gleichmaß an, einen periodischen Wechsel, die regelmäßige Wiederkehr von Anspannungs- und Entspannungszeiten.


Die Arbeitsplanung für eine Hausarbeit

Die Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit umfasst so viele Einzeltätigkeiten, dass der Student ohne planvolles Vorgehen leicht die Übersicht verliert.

Es können grob sieben Schritte beim Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit unterschieden werden:

1. Zunächst die Sachverhaltspräzisierung und –begrenzung, notfalls eine Themenklarstellung durch Exemplifikation mittels eines Fallbeispiels

2. Die Erarbeitung einer Klausurlösung im Gutachtenstil als erster überschlägiger Entwurf zur Sichtung, Sichtbarmachung und Trennung des „Normalen“ und „Unnormalen“

3. Die Materialsuche, d.h. das Auffinden der in Betracht kommenden Literatur

4. Die Materialsammlung, die Literatursichtung und Rechtsprechungsdurchforstung zur Vertiefung und Auslegung der georteten, „unnormalen“ Probleme

5. Die sichtbar gemachte systematische Aufbereitung des gesichteten und als einschlägig empfundenen Materials als zweiter Entwurf in einem sog. „Exposé“ schon mit Gliederung und Schwerpunktbildung für die Probleme

6. Eine Rohfassung als dritter Entwurf

7. Schließlich die Endfassung als präsentierende Darstellung

Diese Abfolge von Phasen ist nicht starr. Einzelne Schritte können im Einzelfall wegfallen. Manchmal ist auch ein mehrmaliges Durchlaufen aller oder nur einzelner Arbeitsphasen erforderlich, bis die Arbeit endgültig steht. So kann die Materialauswertung beispielsweise dazu führen, dass das Problem der Arbeit anders definiert werden muss, als ursprünglich von Ihnen vorgesehen war; dadurch wird eine erneute Materialsuche und -auswertung erforderlich.

Zu 1. Themenpräzisierung

Am Anfang Ihrer wissenschaftlichen juristischen Arbeiten steht immer das Thema. Dabei kann es sich theoretisch um drei Orientierungen handeln, nämlich: eine Fallbearbeitung („Wer will was von wem woraus?“ – „Wer hat sich wodurch wonach strafbar gemacht?“) ein offenes Thema („Rechtsscheinvollmacht“) oder eine Entscheidungsrezension („Nehmen Sie Stellung zu der Entscheidung xy“) Praktisch handelt es sich im Anfang des Studiums fast ausschließlich um eine Fallbearbeitung. Sie müssen vorab klären, auf welche konkrete Frage (oder Fragen) Sie mit Ihrer wissenschaftlichen Arbeit eine Antwort geben sollen und auf welche nicht. Klarheit zu gewinnen heißt, herauszubekommen, was Ihr Dozent mit dem vorgegebenen Sachverhalt gemeint hat und was nicht. Was ist ihr inhaltlicher Schwerpunkt? Verschaffen Sie sich den Überblick durch Blicke in Kurz- und Großkommentare! Vergewissern Sie sich, dass Ihre Vorstellung vom Thema mit dem vom Dozenten vorgeschlagenen übereinstimmt. Suchen Sie das Gemeinte hinter dem Gesagten, sonst heißt es womöglich: „Thema verfehlt!“ Eine solche Sachverhaltsklarstellung ist zur Vermeidung einer Beurteilung wie „Verfasser löst anderen Fall“ dringend anzuraten. Umgekehrt formuliert: Sie müssen angrenzende Sachverhaltsvarianten ausschließen, um Ihre Arbeit in angemessener Zeit und in angemessenem Umfang inhaltlich präzise bewältigen zu können. Sie müssen feststellen, „um was es eigentlich geht“. In einigen Fällen wird der Dozent den Sachverhalt mit Ihnen besprechen. Regelmäßig fällt eine solche Präsentation aber eher kurz aus. Gleiches gilt für seine Arbeitsanweisung. Manchmal wird der Dozent Literatur an die Hand geben. Wenn dies nicht der Fall ist, müssen Sie selbst die einschlägige Literatur finden, um sich in das Thema möglichst schnell hineinzubuchstabieren. Damit kommt Ihnen die Aufgabe zu, Probleme und Rechtsfragen des Sachverhalts selbstständig zu lokalisieren, sie inhaltlich zu begrenzen und die Abhandlung in ansprechender Weise grob zu gliedern. Hier kommt Ihnen der gleich anzusprechende Klausurenaufbau sehr zur Hilfe, wird doch regelmäßig auch in wissenschaftlichen juristischen Arbeiten ein reiner Anspruchsaufbau oder Deliktsaufbau verlangt. Eine frühe Kommentarübersicht zur Themeneingrenzung ist unabdingbar, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass Sie zahlreiche Tage an Arbeitszeit verlieren und Sie „überlaufen“. Je ernsthafter Sie die Sachverhaltsanalyse in Angriff nehmen, desto geringer ist die Gefahr, später böse Überraschungen zu erleben, weil beispielsweise die Zeit nicht ausreicht oder erst am Ende Literaturhinweise gefunden werden, die die ganze Arbeit auf den Kopf stellen. Können Sie sich keine Klarheit über Inhalt und Umfang Ihrer Hausarbeit verschaffen, müssen Sie Ihren Dozenten löchern! ( Klausur – Die Arbeit am Sachverhalt)

Zu 2. Die Klausurlösung als erster Entwurf

Eine Hausarbeit unterscheiden sich von der Abfassung einer schriftlichen juristischen Klausur inhaltlich, formal und organisatorisch sicherlich erheblich. Jedoch umfasst auch der Aufgabentext einer wissenschaftlichen juristischen Hausarbeit sehr häufig einen Sachverhalt mit einer Fallfrage. Sie sollten folglich versuchen, den Hausarbeitssachverhalt am Anfang wie eine Klausur zu lösen, um damit möglichst schnell eine Lösungsskizze auszuarbeiten, aus der sich dann automatisch auch die spätere Gliederung des Textteils ergibt. Nicht wenige halten das Anfertigen einer Klausuren-Lösungsskizze für Zeitverschwendung oder meinen, die Ausformulierung der Hausarbeit sei zeitlich nur zu schaffen, wenn recht bald mit der Niederschrift der Endfassung begonnen werde. Diese Auffassungen sind falsch! Denken Sie an die Vorteile einer Lösungsskizze in einer Klausur! ( Klausur – Die Anfertigung der Lösungsskizze)

Und darüber hinaus: Sie zwingen sich mit der Klausuren-Lösungsskizze bereits in einem ganz frühen Stadium zu einer gliedernden Struktur Ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Sie geben Ihrer Arbeit bereits ein „Zuhause“, ein erstes Gerippe und damit sich selbst ein Arbeitsprogramm für die nächsten Wochen. Sie „verrennen“ sich nicht in Einzelheiten, fahren sich nicht in Aufsätzen fest und vermeiden so die Gefahr, den „Wald vor lauter Bäumen“ nicht mehr zu sehen. Sie müssen die Sachverhalts- und Rechtsprobleme sofort eigenständig durchdenken und reduzieren damit die Gefahr, sich zu schnell von in der Literatur oder Rechtsprechung bereits diskutierten Problemlösungen oder herrschenden Meinungen gefangen nehmen zu lassen. Sie vermeiden eine Blockadehaltung, die dann eintritt, wenn Sie nur Literatur und Rechtsprechung sammeln und schließlich, von Panik getrieben, glauben, die Arbeit in den letzten Tagen niederschreiben zu können.

Eine Klausurlösung bietet aber auch Nachteile. Deshalb sollten Sie wissen: Die ersten Ausführungen dürfen sich nicht in einem Zettelkasten erschöpfen, sondern müssen gegliedert, strukturiert und gutachtlich aufgebaut werden. Seien Sie nicht enttäuscht: Der erste Entwurf in Form einer ersten Klausur kann zahlreiche Probleme noch gar nicht enthalten. Er dient dem Überblick, nicht dem Durchblick! Verlieren Sie sich nicht in der Zeit. Der erste Klausur-Lösungsentwurf ist nur eine Starthilfe und kann deshalb mit der endgültigen Fassung nicht übereinstimmen. Fazit: Sie müssen trotz der Klausurlösung immer die Bereitschaft zeigen, Ihre Ergebnisse umzustoßen, sollten also nicht an Ihrer ersten Auffassung sklavisch kleben. Die gerade propagierte Lösungsskizze wie in einer Klausur ist allerdings nur dann hilfreich, wenn der Lösungsweg den vertrauten Aufbauschemata der Klausuren ähnelt. Oft wird dies bei Ihrer Arbeit möglich sein, insbesondere, wenn es sich um eine Fallbearbeitung oder eine Entscheidungsrezension handelt. Eine Hausarbeit wie eine Klausur zu lösen, wird aber dann auf Schwierigkeiten stoßen, wenn das Thema nicht in die vertrauten Aufbauschemata passt, sondern es um ein „offenes Thema“ geht. Aber auch hier sollte man zunächst darüber nachdenken, ob nicht auch bei einem solchermaßen gestellten Thema ein Eingangsfall als Einstiegsfall gebildet werden kann, der eventuell ebenfalls klausurmäßig „durchgestylt“ wird. Gelingt es Ihnen ausnahmsweise nicht, bei einem offenen Thema mit einem Einstiegsfall die Problematik klausurenmäßig anzugehen, werden Sie am Anfang nicht über eine kursorische Gliederung hinauskommen. Danach scheint es besser, sich selbst erst ein wenig in die Materie hineinzulesen, um anschließend die erste noch kursorische Skizze anhand der grundlegenden Literatur und Rechtsprechung zu überarbeiten. Allerdings sollten Sie der Gefahr begegnen, schon jetzt in Literatur und Rechtsprechung zu „versinken“.


Zu 3. und 4. Siehe bei:  Literatur  Rechtsprechung  Texte juristisch erarbeiten  Wissenschaftliches Arbeiten


Zu 5. Das Exposé als zweiter Entwurf

Ein Exposé ist eine zusammenfassende Darstellung und soll Sie als den wissenschaftlichen „Arbeiter“ motivierend davon überzeugen, dass Sie sich schon tief und breit in die Materie eingearbeitet haben, sich mehr als einen Überblick über die einschlägigen Rechtsfragen verschafft haben und Sie außerdem in der Lage sind, die gestellte wissenschaftliche Arbeit in einer überschaubaren Zeit fertig zu stellen. Es dient sowohl der Problemorientierung anhand der Materialsuche und –sammlung aus der Literatur als auch schon der Problemlösung. Das Exposé enthält drei Teile: die Gliederung, einen Zeitplan und einen gezielten Umgang mit der Literatur und Rechtsprechung.

Die Gliederung:

Der erste Teil Ihres Exposés enthält eine vorläufige Gliederung. Ziel soll es sein, sich bewusst zu werden, welche konkreten Rechtsprobleme auftauchen, welche Literatur und Rechtsprechung aus Ihrer Sammlung man aufbereiten und auswerten muss und wie die Arbeit logisch aufgebaut werden könnte. Mit der Gliederung reduzieren Sie Ihre psychologische Hemmschwelle. Die Gliederung ist hier schon mehr als ein bloßes „Brainstorming“, also mehr als ein loses, ungeordnetes Zusammenwürfeln der Gedanken, die einem zu diesem Thema einfallen. Sie ist auch mehr als eine bloße Liste von Überschriften! Die Gliederung sollte nämlich jetzt schon den groben Gang der Hausarbeit und damit einen klaren Gedankengang aufweisen, der durch die Klausurenlösung vorgesponnen ist. Um einen roten Faden in Ihrer Arbeit zu erreichen, müssen Sie in dem Exposé jetzt versuchen, den eigenen Gedankenfluss einem (Fall)Ordnungs- und einem (Fall)Gliede-rungskonzept zuzuführen. Sie sollten sich einen präzisen Überblick darüber verschaffen, welche Rechtsprobleme in welcher Reihenfolge mit welchem Schwerpunkt wie strukturiert von Ihnen erörtert werden müssen. In diesem Zeitraum wird noch nicht erwartet, dass Sie die Rechtsprobleme gelöst haben. Vielmehr reicht es aus, die richtigen problemorientierten Fragen zu stellen („zu erörtern ist ...“). Dazu müssen Sie in die Literatur und Rechtsprechung schon kraftvoll „eingestiegen“ sein! Die Gliederung gibt Ihrer Arbeit die Struktur. Sie unterteilt sie in sinngemäß zusammenhängende Lösungsabschnitte, in Einheiten, und sie zeigt, in welcher Weise sie Ihre Gedanken im Laufe der Arbeit entwickeln. Die Grob-Gliederung in der Klausurfassung war zunächst einmal nur für Sie selbst da, und ganz am Anfang war sie auch nur eine Gliederungsabsicht. Sie nahmen sich vor, bei der Behandlung Ihres Themas oder Falles die Schritte zu gehen, die Sie in den Gliederungspunkten vorformuliert hatten. Jetzt müssen Sie sie aber gehen! Die schrittweise Erschließung Ihrer wissenschaftlichen Materialien steht mit Ihrem jeweils erreichten Erkenntnisstand in enger Wechselwirkung. Während in den ersten Tagen der Materialsichtungs- und –sammlungsphase meist nur einige wenige Schlagworte oder Kategorien einer Ordnung zugrunde gelegt werden können, differenziert und wandelt sich eine solche Einteilung nahezu mit jedem weiteren Tag Ihres dynamischen Arbeitsprozesses. Für Ihre erste Arbeitsgliederung gilt, dass der „Lust am systematischen Untergliedern“ kein Einhalt geboten werden sollte. Eine Gewichtung sowie die erforderlichen Überleitungen und Zusammenfassungen einzelner Unterpunkte unter übergeordnete Punkte muss nunmehr erfolgen. Je differenzierter die ursprüngliche, Schritt für Schritt entwickelte vorläufige Grob-Gliederung war, desto einfacher ist die Gliederung für das Exposé. Jeder Punkt umfasst jetzt schon wichtige Gedanken zu Tatbestandsmerkmalen oder Problemen. Eine erste Formulierung findet sich. Umfassende und komplexe Fragestellungen bleiben noch offen. Möglichst frühzeitig sollte dabei auch bereits ein gewisses formales Gliederungsschema zugrunde gelegt werden. Sie sollten sich nicht mit der bloßen Auflistung von Gliederungspunkten (Überschriften) begnügen, sondern auch gleich die Gedanken schriftlich skizzieren, die Sie dazu bewegt haben, einen solchen Gliederungspunkt zu positionieren. Wichtig ist, dass Sie die Gedanken, die Sie sich ja zu Ihrem Thema schon haben machen müssen, um eine Gliederung überhaupt formulieren zu können, nicht wieder versickern lassen und nur diese dürftigen Überschriften in Händen halten. Sie müssen die bereits getane Arbeit auch gleich dokumentieren und fruchtbar werden lassen. Wenn Sie unter Ihren tatbestandlichen und problemrelevanten Gliederungspunkten sofort Stichworte zum vorgesehenen Inhalt notieren oder entsprechende Gedankenfetzen zu einzelnen Entscheidungen skizzieren, erste Meinungen gegenüberstellen und eigene aufstellen, die Sie in der Arbeit beweisen oder widerlegen wollen, werden Sie auch besser feststellen können, wie gut oder weniger gut Ihre Gründe für diese Gliederung tatsächlich sind. Das wird Sie sicherlich zu einer besser durchdachten und zu einer genaueren, differenzierteren Gliederung hinführen. Im Ergebnis haben Sie im Exposé schon etwas auf dem Papier stehen, das zwar noch ausbaufähig ist, aber schon das Gefühl vermitteln kann, wissenschaftlichen Boden unter den Füßen zu haben.

Der Zeitplan:

Wichtig für das Schreiben Ihrer wissenschaftlichen Arbeit wird beim Exposé jetzt auch der Zeitplan. Bei dem Umfang eines wissenschaftlichen Themas besteht die Gefahr, sich in Einzelprobleme zu verrennen. Ein Monat oder auch eine Woche eines Lebens sind eine viel zu lange Zeit, um diese planlos zu gestalten. Sie sollten sich deshalb Rechenschaft ablegen, was in welcher Zeit bewältigt werden muss. Sie sollten sich einen Zeit- und Arbeitsplan erstellen, um Ihr „Projekt Hausarbeit“ in überschaubare Zeit- und Arbeitseinheiten zu unterteilen. Wichtig! Bei Ihrer Zeiteinteilung müssen Sie berücksichtigen, dass Ihr Schreibwerk und die Überprüfung Ihrer Zitate und Literatur immer viel mehr Zeit in Anspruch nehmen als geplant!

Zu 6. Die Rohfassung als dritter Entwurf

Nachdem Sie den ersten Klausurentwurf und das Exposé gemeistert haben, sind Sie bei einer fallorientierten Arbeit mit Ihren aus Literatur, Rechtsprechung und vor allem aus Ihrem eigenen Kopf gesammelten Rechtsproblemen in der Lage, einen Rohentwurf zu liefern. Wenn Sie nun noch Ihre exzerpierten Literaturstellen, Ihre Phalanx der Entscheidungsordner, Ihre Literaturkarteien und Ihre sinnvoll markierten Kopien als Steinbruch berücksichtigen, werden Sie relativ schnell Erfolgserlebnisse haben. Jetzt können Sie erstmals versuchen, nicht mehr literaturgesteuert, sondern selbstgesteuert Ihre Arbeit darzustellen und die einschlägigen Anspruchsgrundlagen oder Straftatbestände konkret zu entwickeln. Sie sollten möglichst schnell mit dem Schreiben eines solchen Rohentwurfs beginnen. Nur so kann man die gewaltige Stoffmenge bändigen und erkennen, ob man seine Arbeit noch weiter in thematische Unterpunkte untergliedern muss.


Die formale Qualität der Hausarbeit

Ihre Arbeit muss neben der inhaltlichen Qualität auch einer formalen Qualität genügen. Die Hausarbeit besteht – in dieser Reihenfolge – aus folgenden wesentlichen Bestandteilen: 1. Titelblatt 2. Gliederung 3. Literaturverzeichnis 4. Textteil 5. ggf. Anhang

Hinzu kommen: Formale Anforderungen an die Zitiertechnik und an die Darstellung von Meinungsstreiten.

1. Titelblatt

Jede schriftlich vorgelegte Hausarbeit muss ein Deckblatt aufweisen. Obwohl das „Design“ grundsätzlich freigestellt ist, sollte das Titelblatt folgende Angaben umfassen:

Hochschulbezeichnung Thema der Arbeit Funktion der Arbeit (Hausarbeit/Referat) Namensangabe des Dozenten Name, Vorname des Verfassers (vorgelegt von ...) Adresse mit Telefon und E-Mail-Adresse Termin der Ausgabe und der Abgabe

Auf die Vollständigkeit und „Optik“ des Titelblattes sollten Sie einige Mühe verwenden; es ist die Visitenkarte Ihrer Arbeit, womit Sie Ihren Dozenten für sich aufschließen. Ein Motto, Geleitwort, Vorwort oder eine irgendwie geartete „Einführung“ ist nicht voranzustellen.

Während man Ihnen bei der Klausur wegen des Zeitdrucks eine schlechte äußere Form noch nachsieht, trifft diese Entschuldigung bei Hausarbeiten nicht mehr zu.


2. Die Gliederung

Funktion der Gliederung Die Gliederung zu Beginn Ihres wissenschaftlichen Arbeitsprozesses war vor allem für Sie da und hatte den Sinn, Ihr Vorhaben für Sie in überschaubare und sinnvoll aufeinanderfolgende kleine Arbeitsschritte zu zerlegen, um Zuordnungen vornehmen zu können. Die Gliederung der fertigen Arbeit hat den Sinn, sie für sich und Ihre Korrektoren in überschaubare, gedanklich fassbare Einheiten aufzuteilen. Jeder neue Gliederungspunkt markiert sozusagen einen Ruhepunkt. Die Gliederung muss in einer Hausarbeit ausgefeilt und ausführlich sein, muss eindeutige Markierungen und Wegweiser liefern können. Die Gliederung soll die Struktur der Bearbeitung aufzeigen und das Auffinden von Einzelproblemen ermöglichen. Die Gliederung soll auf der einen Seite aussagekräftig sein, auf der anderen Seite sich nicht so in Einzelheiten verlieren, dass die Übersichtlichkeit verloren geht oder gar in die Irre führt. Sie befinden sich bildhaft auf der Strecke von „Köln nach Hamburg“ und nennen nur die Namen der Stationen des IC, an denen er hält, nicht jedes Kaff, durch das der Zug hindurch – oder gar vorbeirauscht, schon gar nicht „Koblenz“, das nicht an der Strecke liegt. Ohne das Gutachten gelesen zu haben, soll der Dozent allein durch die Gliederung Ihren Lösungsweg verfolgen können. Er sieht nicht, zu welchem Ergebnis Sie gekommen sind. Er kann aber erkennen, dass kein Prüfungspunkt übersehen worden ist – darauf kommt es an. Die Gliederung ist also ein ganz wichtiges Kriterium für die Beurteilung der inhaltlichen Qualität Ihrer Hausarbeit. Der Dozent sieht daran, ob Sie in der Lage waren, die Problemstruktur Ihres Sachverhalts zu erkennen und angemessen zu berücksichtigen.

Auch erkennt er Ihre Fähigkeit zur Gedankenstrukturierung. Zu einer qualifizierten Gliederung gehört nicht nur eine angemessene Aufgliederung des Gesamtthemas in Teilthemen. Dazu gehört auch der Nachweis, dass Ihnen bei dieser Zerlegung nicht der innere Zusammenhang Ihrer Arbeit verloren gegangen ist. Sie haben also die Gliederungspunkte nicht beziehungslos aneinandergereiht, sondern – möglichst auch aus der Gliederung ersichtlich – miteinander logisch-gedanklich verknüpft. Die Abfolge Ihrer Gliederungspunkte sollte deshalb eine logische gedankliche Ent-wicklung anzeigen. Auch sollten Unterpunkte übergeordneten Gesichtspunkten logisch zugeordnet sein. Denn im Gliederungsschema stellt sich die Gliederung nicht nur in der Abfolge der Gliederungspunkte, sondern auch in ihrer Tiefe dar. Sie gibt daher Orientierung über die Breite und Tiefe der Gliederungsebenen und ihrer Zuordnung zueinander.


Die Wahl des Gliederungssystems Vor allem zwei Arten von Gliederungs-Systemen haben sich im Laufe der Zeit als gebräuchlich herauskristallisiert, die auch in Textprogrammen alternativ so vorgesehen sind: das Buchstaben-Ziffern-System (alpha-numerische) und das Dezimalklassifikations-System (numerisch)

Im Buchstaben-Ziffern-System werden die unterschiedlichen Gliederungsebenen durch die Zuordnung unterschiedlicher Zahlen- und Buchstabensymbole gekennzeichnet (die oberste Ebene z.B. durch römische Ziffern, die zweite Ebene durch Großbuchstaben oder andersherum), im Dezimalklassifikationssystem durch die Zuordnung einer Dezimalzahl mit entsprechender Stellen-Zahl (die oberste Ebene also durch einstellige Zahlen, die zweite Ebene durch zweistellige Zahlen), wobei die Stellen durch Punkte voneinander getrennt werden. Anders als im Buchstaben-Ziffern-System wird hier hinter die letzte Stelle kein Punkt mehr gesetzt.

Buchstaben-Ziffern-System Dezimalklassifikationssystem

49.png

Beim Dezimalsystem bedeuten alle Ziffern einer senkrechten Kolonne dieselbe Gliederungsebene. Es gilt nach spätestens drei Ordnungszahlen als unübersichtlich (Zahlenfriedhof) und hat sich bei den Juristen nicht durchgesetzt. Beliebt ist deshalb das Buchstaben-Ziffern-System Welches Gliederungssystem Sie wählen, ist Ihnen überlassen, die Meinungen zu den Ordnungssystemen gehen weit auseinander. Achten Sie lediglich auf die Eindeutigkeit der Punkte und eine konsequente Systematik. Häufig wird dem Buchstaben-Ziffern-System vorgeworfen, es lasse keine Abstufungen unter sechs Ebenen mehr zu. Das ist sein entscheidender Vorteil. Während der Student bei dem numerischen System dazu neigt, die Abstufungen gegen Unendlich ausufern zu lassen, zwingt das gemischte alpha-numerische System ihn dazu, mehr gleichgeordnete Gliederungsansätze zu schaffen. Zu tiefe Gliederungen offenbaren häufig die Schwierigkeiten des Studenten, Gleiches zu erkennen und die Flucht in Unterpunkte anzutreten, die eigentlich dem Überpunkt eigen sind.

Gestaltungskriterien der Gliederung Jede Gliederungsebene umfasst logisch mindestens zwei Gliederungspunkte (Wer A sagt, muss auch B sagen!). Eröffnen Sie also eine Ebene nur dann, wenn Sie zwei getrennte Punkte abzuhandeln gedenken. Und gehen Sie möglichst nicht über fünf Punkte hinaus – das verwirrt mehr als dass es der Übersichtlichkeit hilft. Die Gliederungspunkte sollen Orientierungshilfen in Überschriftenformat sein (eye-catcher), also knapp, präzise, kurz und einprägsam, keine Sätze, keine Mehrzeiler. Nicht jeder Satz bedarf eines Gliederungspunktes. Zergliedern Sie Ihre Gliederung nicht! Lassen Sie aber umgekehrt nicht zu lange Absätze ungegliedert, sonst verliert man als Dozent die Lust am Lesen. Eine schlechte Gliederung ist immer Zeichen einer schlechten, weil unsysthema-tischen Gedankenführung. Die Gliederungspunkte müssen sich in den Überschriften der Ausarbeitung Ihrer Arbeit wiederfinden. Widersprüche zwi-schen Gliederung und Gutachten sind unverzeihlich! In der Gliederung dürfen keine direkten Fragen gestellt werden („Hat K gutgläubig erworben gem. § 932 BGB?“) oder Ergebnisse festgestellt werden („A hat gem. § 932 BGB gutgläubig erworben.“).


3. Literaturverzeichnis

Die Auflistung der benutzten Literatur heißt Literaturverzeichnis und nicht Literaturhinweise, Literaturübersicht, Schrift-tumsverzeichnis, Quellennachweise und auch nicht – weil es so wissenschaftlich klingt – Bibliographie. Es ist die vollständige Zusammenstellung aller in Ihrer Hausarbeit verarbeiteten Sekundärliteratur. Es ist der wissenschaftliche Schlüssel zu Ihrer Arbeit. Die Quellen und die Herkunft der Zitate sollten in einem Literaturverzeichnis komplett aufgenommen werden. Es muss einerseits die gesamte Literatur aufgeführt werden, die in Ihrer Arbeit verwendet wurde. Andererseits muss dann aber auch jede im Literaturverzeichnis enthaltene Schrift oder Entscheidung zumindest einmal in Ihrer Arbeit verwendet worden sein. Eine alphabetische Reihenfolge der Nachnamen der Autoren ist ausreichend. In das Literaturverzeichnis gehört zusätzlich der Vorname des Autors und der Erscheinungsort. Daneben muss man die Anfangs- und Endseite eines Aufsatzes angeben. Der Dozent erkennt dann schon an der Länge des Beitrages, wie wichtig dieser ist. Vollständig benötigen Sie Nachnamen, Vornamen, Titel, Band, Auflage, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr. Bei mehreren Autoren sind alle zu nennen. Bei Auflagen ist üblicherweise die neueste Auflage zu zitieren. Bei Kommentaren ist nur der Herausgeber, bei mehreren Bearbeitern der konkrete Bearbeiter in das Literaturverzeichnis aufzunehmen. Fehlt ein Autor, werden vor den Titel des Beitrages die Worte „ohne Verfasser“ gesetzt. Primärquellen, wie Gesetzestexte oder Rechtsprechung, gehören nicht in ein Literaturverzeichnis. Die Untergliederung in Monographien, Aufsätze und Sammelbände findet man zwar immer wieder; sie ist aber unüblich. Die ISBN-Nummer muss ebenso wenig genannt werden wie der Verlag oder die Schriftenreihe, in der das Werk erschienen ist. Ein Rechtsprechungsverzeichnis ist nur dann sinnvoll, wenn zahlreiche Entscheidungen ausgewertet werden und dem Dozenten über das Rechtsprechungsverzeichnis eine Orientierungshilfe gegeben werden soll. Das Rechtsprechungsverzeichnis sollte dann nach den Instanzen geordnet sein, wobei zwischen den Rechtswegen zu trennen ist. Also z.B.: AG – LG - OLG - Bundesgerichtshof; VG – OVG – VGH - Bundesverwaltungsgericht; ArbG - LAG – Bundesarbeitsgericht; BVerfG; EuGH. Die Rechtsliteratur wird in den Fußnoten abgekürzt und im Literaturverzeichnis ausformuliert und unabgekürzt wiedergegeben.

● Beispiele für das Literaturverzeichnis 1. Bücher a. Anker, Gerhard: Die Rechtsnatur des Treuhandverzeichnisses – Ein Beitrag zur Dogmatik des Treuhandwesens, Diss., Heidelberg 1932. b. v. Hoffmann, Bernd/Thorn, Karsten: Internationales Privatrecht einschließlich der Grundzüge des Internationalen Zivilverfahrensrechts, 8. Aufl., München 2005. 2. Kommentare a. Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch: Bd. 1, Allgemeiner Teil, §§ 1-240, AGB-Gesetz, 4. Aufl., München 2001 Bd. 6, Sachenrecht, §§ 854-1296, Wohnungseigentumsgesetz, Erbbaurechtsverordnung, Sachenrechtsbereinigungsgesetz, Schuldrechtsänderungsgesetz, 4. Aufl., München 2004. b. v. Staudinger, Julius: Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch mit Einführungsgesetz und Nebengesetzen: Erstes Buch, Allgemeiner Teil, §§ 134-163, Neubearb. 2003, Berlin 2003 Drittes Buch, Sachenrecht, §§ 925-984, Anhang zu §§ 929 ff., Sonderformen der Übereignung, Neubearb. 2004, Berlin 2004. 3. Aufsätze a. Wolf, Thomas: Vorbehaltene und nachträgliche Sicherungsverwahrung – neue Aufgaben für die Strafvollstreckungsbehörde –, Rpfleger 2004, 665-668. b. Höfling, Wolfram: Forum: „Sterbehilfe“ zwischen Selbstbestimmung und Integritätsschutz, JuS 2000, 111-118.

● Beispiele für die Fußnoten im Text 1. Bücher a. v. Hoffmann/Thorn Rn. 377. b. Anker S. 135. 2. Kommentare a. MüKo/Eickmann, BGB, § 1191 Rn. 7. b. Staudinger/Kohler, BGB, § 137 Rn. 30. 3. Aufsätze a. Wolf, Rpfleger 2004, 665, 667. b. Höfling, JuS 2000, 111, 113. 4. Gerichtsentscheidungen a. BGH, NJW 2002, 2459, 2460. b. BGHZ 17, 316, 323 f. c. OLG Köln, FamRZ 2003, 170, 171.

Bei Gerichtsentscheidungen und Aufsätzen werden die Anfangsseite und die Seite(n) angegeben, auf denen sich die Belegstellen finden.

4. Textteil

Der Textteil ist das Herzstück der Hausarbeit und enthält das Gutachten. Dieser Teil sollte mit „Gutachten“ überschrieben sein. Schriftbild Es sollte die Schriftform „Arial“ gewählt werden, da die unterschiedlichen Schriftformen unterschiedliche Größe haben. Sie müssen sich vor Augen halten, dass die Wahl einer 12-Punkt-Schrift den Umfang Ihrer Arbeit um ca. 20 % gegenüber einer 10-Punkt-Schrift anschwellen lässt. Eine Arbeit, die in 10-Punkt-Schrift 25 Seiten aufweist, wächst in 12-Punkt-Schrift auf 30 Seiten an. Ihre Schriftgröße muss 12-Punkt sein. Hervorhebungen im Text durch Unterstreichungen, Sperrungen, Großbuchstaben oder Fettdruck sollten unterbleiben. Layout Die folgenden genannten Anforderungen sind im Regelfall verbindlich: Der Umfang der Hausarbeit darf normalerweise 30 DIN A4-Seiten im Textteil nicht überschreiten. Bitte achten Sie auf die Beschränkungen in den Hinweisen. Die Hausarbeit wird mit der Schreibmaschine/dem Computer in 1 1/2-Zeilenab-stand im Format DIN A 4 geschrieben (Schriftgröße 12). Ein geringerer Zeilenabstand (1-zeilig) ist ausnahmsweise für Textpassagen angebracht, die Sie optisch hervorheben wollen, etwa Gesetzestexte, längere Zitate, Fußnoten, Anmerkungen oder Exkurse. Einen größeren Zeilenabstand wählen Sie unter Überschriften. Jedes Blatt wird nur einseitig beschriftet. Es ist links ein Heft- und Korrekturrand (28 Anschläge bzw. 7 cm) frei zu lassen. Reichen Sie die Hausarbeit gelocht und in einem Schnellhefter abgeheftet ein. Keine Klebe- oder Spiralbindungen! Verwenden Sie auch keine Heftklammern („Tacker“) oder Büroklammern. Gliederung, Literaturverzeichnis und – soweit vorhanden – Anhang werden fortlaufend mit römischen Ziffern nummeriert. Der Textteil wird mit arabischen Zahlen paginiert. Die jeweilige Seitenzahl ist oben in der Mitte anzubringen. Links neben dem Textteil sind im Randbereich die jeweiligen Untergliederungspunkte anzugeben. Überschriften erscheinen im Fettdruck. Wollen Sie eine Überschriftenhierarchie optisch unterstützen, sollten Sie unterschiedliche Druckgrößen verwenden. Absätze im Text, die immer Leseerleichterungen sind, müssen Sie durch einen Zeilenabstand kennzeichnen. Ein Absatz sollte eine Seite nie überschreiten. Kopfzeilen sind in Hausarbeiten eher unüblich. Es sind nur allgemein bekannte und dem Juristen bekannte Abkürzungen zu verwenden. Ein Abkürzungsverzeichnis ist eben deshalb entbehrlich. Es ist eine wissenschaftliche Zitierweise anzuwenden, die im Rahmen der Hausarbeit durchgängig beibehalten wird. Zitieren Sie Literatur und Rechtsprechung nur entweder in Klammern hinter der Aussage, die Sie belegen wollen, oder mit Fußnote auf derselben Seite. Die Zitate müssen genau sein und schnell das Auffinden der Belegstelle ermöglichen. Sie können Bezug nehmen auf Ihr Literaturverzeichnis und sollten den kleinsten Untergliederungspunkt angeben (Randziffer, sonstige Untergliederung, mindestens Seitenzahl), z.B. Palandt/Heinrichs BGB, § 240 Rn. 10. (Zitiertechnik) Wörtliche Wiedergaben sollten nur dann erfolgen, wenn dies zum Verständnis unbedingt nötig ist. Wörtliche Zitate sind in jedem Fall als solche kenntlich zu machen mit „Gänsefüßchen“ oder Kursivsatz. Am Schluss der Hausarbeit ist folgende schriftliche Erklärung abzugeben: „Ich versichere, dass ich diese Hausarbeit selbständig und nur unter Verwendung der angegebenen Quellen und Hilfsmittel angefertigt und die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.“ Datum, Unterschrift

Verzeichnisse vor dem Text, wie ein Inhaltsverzeichnis, ein Darstellungsverzeichnis, ein Verzeichnis für Symbole oder ein Schlagwortverzeichnis sind nicht anzufertigen. Abkürzungsverzeichnis Eigene Abkürzungen sind kein Beleg für die Wissenschaftlichkeit Ihrer Arbeit, sondern Zeichen von Bequemlichkeit und Lässigkeit und sind folglich zu unterlassen. Soweit Abkürzungen und Akronyme (Initialwort: USA, DVD) gebräuchlich und im Duden aufzufinden sind, gehören sie nicht in ein Abkürzungsverzeichnis, ebenso wenig fachspezifisch-übliche juristische Abkürzungen, die nicht im Duden vermerkt sind, aber unter Juristen üblich sind.

5. Anhang Ein Anhang ist nur dann erforderlich, wenn Aussagen durch Tabellen oder Schaubilder ausnahmsweise visualisiert werden sollen.

Die Suchstrategie für die wissenschaftlichen Hausarbeiten

Im Zusammenhang mit der Suchstrategie bei Hausarbeiten stellt sich die Frage nach der Auswahl wichtiger Bücher, Aufsätze und Entscheidungen aus dem Berg unterschiedlich bedeutender Literatur. Damit ist ein wichtiges Problem der Materialsuche angesprochen: Was kommt in Frage? Richten Sie Ihre Suche nach der Wichtigkeit und Bedeutsamkeit der Rechtsquellen aus. Unbedingt erforderlich ist als erstes die Arbeit mit den aktuellsten Gesetzestexten als Primärliteratur. Die Lektüre höchstrichterlicher Rechtsprechung ist im Zweifel wichtiger als die der Rechtsprechung unterer Gerichte. Die Rechtsprechung erschließt sich durch die Kurz- und Großkommentare. Dieses Problem taucht in ähnlicher Form gleich bei der Auswertung des gesammelten Materials auf. Hier geht es zunächst aber um eine Vorauswahl. Um eine Antwort auf die gestellte(n) Frage(n) Ihrer Arbeit geben zu können, ist ein Überblick über möglichst viele Informationsquellen erforderlich. Für die Auswahl der relevanten Literatur lassen sich nur in sehr begrenztem Maße Hinweise geben. Bei der vorläufigen Bewertung der Quellen wird man sich zwangsläufig von dem Namen eines Autors, seiner wissenschaftlichen Reputation und vielleicht auch davon beeinflussen lassen, dass ein Werk in einem mehr oder weniger renommierten Verlag erschienen ist. Das erfordert einige Routine, die sich erst im Laufe der Zeit einstellen wird. Wegen der Informationslawine werden Sie nicht alle Fundstellen verwerten können, sondern sich auf die wesentlichen Werke zu beschränken haben. Achten Sie dabei bitte immer auf Folgendes: Wie alt ist die Quelle? Gibt es aktuellere Fundstellen? Wer ist der Autor? Welches Gericht hat geurteilt: Landgericht, Oberlandesgericht, Bundesgerichtshof oder Bundesverfassungsgericht? Unbekannter Praktiker oder berühmter Professor oder BGH-Richter? In welcher Zeitschrift oder in welchem renommierten Verlag ist das Werk erschienen?

In jeder Art von Literatur finden sich wieder Hinweise auf weitere Literatur (Schneeballsystem). Schon nach wenigen „Runden“ lässt sich ein guter Überblick über die relevante Literatur gewinnen. In der ersten Runde der Materialsammlung und -sichtung empfiehlt es sich, besonderen Wert auf das quantitative Ergebnis des Suchprozesses zu legen. Spätestens bei der Materialauswertung und -ordnung werden Titel und Urteile, die nicht brauchbar sind, eliminiert. Erst hier erfolgt eine qualitative Auswahl. Die Sichtung und Sammlung von Lehrbüchern, Kommentaren und Rechtsprechung und die mehrmalige Lektüre anspruchsvoller Textstellen sollten in einem möglichst frühen Stadium nach der ersten „Klausurfassung“ erfolgen, um bald das „Exposé“ erstellen zu können. (Hausarbeit) Die Literatursammlung fällt nur bei kurzen Referatsthemen mit der Literatursichtung in einem Arbeitsschritt zusammen. Ansonsten sollte sie zeitlich später erfolgen, um der Gefahr zu entgehen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Der sogenannte „kleine und große Kopierschein“ sind absolut unabdingbar, um ein Exposé und die Rohfassung der Arbeit zu erstellen. Nur anhand einer möglichst lückenlosen Literatur kann sich der Student ein Bild verschaffen, was schon geschrieben wurde und ob die Thematik noch etwas Neues hergibt. Vielmehr noch als der Dozent ist nämlich inzwischen der Student der Spezialist auf dem zu untersuchenden Arbeitsgebiet. Werden von Anfang an Literatur und Rechtsprechung vollständig gesammelt, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit vermieden werden, dass Sie in einem späteren Stadium auf wichtige Literatur stoßen, die Sie dann nur noch mit großem Aufwand einarbeiten und berücksichtigen können. (Der GAU ist das Finden nach der Abgabe.) Sie werden ohnehin bald feststellen, dass viele Autoren von anderen Autoren abschreiben und sich Ideen und Argumente schon nach erstaunlich kurzer Zeit ständig wiederholen. Oft müssen bestimmte Stellen mehrmals gelesen werden, bevor man sie richtig versteht. Das geht nicht nur Ihnen so, sondern jedem! Dann ist es hilfreich, wenn Sie den Text unmittelbar jederzeit vorliegen haben und mit ihm arbeiten können. Deshalb ist es eben unabdingbar, sich eine gewisse Anzahl von Kopien zuzulegen. Auf der anderen Seite sollte man aber kostbare Zeit nicht vor dem Kopierapparat verlieren. Mit dem Kopieren allein ist es nämlich nicht getan. Liest man die Kopien, die man angefertigt hat, nicht, ist es schade um die Zeit. Die Materialsammlung hat im Regelfall zu einem quantitativ sehr hohen Ertrag geführt. Der Student verfügt sehr schnell über lange Listen von Büchern, Karteien von Rechtsprechung, Daten zu Zeitschriftenartikeln und Ordnern zu Literaturangaben. Und doch ist es gerade diese Situation, in der der Studierende vielfach am unglücklichsten ist. Die Bücherberge und Rechtsprechungsdateien, die Kopienordner und Zettelkästen flößen Angst ein; man weiß, dass man doch nie alles lesen kann. Das anzustreben, wäre allerdings auch völlig verfehlt. Erfahrene wissenschaftliche Arbeiter verfügen über effektive Techniken der Informationsgewinnung bzw. Literaturauswertung. Das muss man lernen! In vielen Fällen wird man sich zunächst auf einen ersten Überblick über die Textstelle beschränken und auf eine tiefere Beschäftigung mit dem Aufsatz, dem Buch oder der Rechtsprechung zunächst erst mal können. Sie stellen z.B. beim Studium der Textstelle fest, dass sich der Verfasser oder das Gericht im Gegensatz zu Ihrer bisherigen Vermutung gar nicht mit der engeren Problematik Ihres eigentlichen Themas befasst. Oder es stellt sich heraus, dass eine intensivere Lektüre nichts Neues für Sie bringen würde oder andere Literaturquellen für Sie besser geeignet sind. Nach dieser ersten Runde des Überblicks über einen noch sehr großen Literaturberg folgt eine zweite, schon etwas intensivere Auswertung des verbliebenen Restes. Jetzt müssen Sie einige Kapitel teilweise oder ganz lesen und dabei Argumente und Meinungen suchen und aufnehmen, um sie mit Ihren in der Klausurenlösung und im Exposé georteten Problemen zu vergleichen. Auf jeden Fall werden Sie Leitsätze, Zusammenfassungen, zentrale Abschnitte oder Kapitel genau lesen (mit dem Zeigefinger!) und durcharbeiten müssen. Bei dieser Tätigkeit muss man sich nun erneut von einem Teil des Schrifttums und der Rechtsprechung trennen. Nach dieser zweiten wägenden und wertenden Arbeitsrunde ist der anfängliche Literaturberg zusammengeschrumpft. Dem „letzten Rest“ wird man bei der Konzipierung der Rohfassung nunmehr besondere Aufmerksamkeit schenken und die verbliebenen Titel und Urteile sehr genau durcharbeiten müssen. Brauchbaren einschlägigen Überlegungen der Autoren und Richter sollten Sie gedanklich nachgehen, sie mit eigenen Worten umschreiben und in Ihre individuelle autonome Diktion übersetzen. Die entsprechenden Seitenzahlen sollten Sie festhalten, damit ein eventuell notwendiges Nachschlagen der betroffenen Stellen leichter ermöglicht wird. Die besten, zielführenden Gedanken und Überlegungen aus fremden Köpfen wie aus dem eigenen Kopf müssen unter allen Umständen auf Karteikarten festgehalten werden. Die schriftliche Fixierung eigener Ideen sollten Sie sich zum Prinzip machen; gute Einfälle gehen sonst ebenso schnell verloren wie sie gekommen sind. Glauben Sie bitte nicht, dass Sie morgen noch wüssten, was Sie heute gedacht haben.

Die beschriebene Vorgehensweise bei der Suche nach Literatur kann man als das Prinzip der konzentrischen Kreise bezeichnen, das sich etwa wie folgt zusammenfassen lässt: Vieles flüchtig durchsehen! (Rund-umblick) Weniger genau durchsehen! (Zeigefingerlesen) Noch weniger genau durcharbeiten! (Exzerpieren)

Trotz des Prinzips der konzentrischen Kreise bleibt das Problem der technischen Bewältigung der als übermächtig empfundenen Literatur und Rechtsprechung. Sie können sich nun mal nicht alles merken. Deshalb werden verschiedene Techniken der Aufbereitung und Ordnung des Materials angewendet. Materialordnung bedeutet ein Zusammenstellen des durchgearbeiteten Materials nach bestimmten Gesichtspunkten. Im Zusammenhang mit der Materialordnung müssen Sie zwei Fragen beantworten: Wie finde ich Gedanken wieder, wenn ich sie benötige? Wie belege ich korrekt die Quellen, sofern fremde Gedanken in die eigene Arbeit übernommen werden? Sie sollten sich vom ersten Tag der Bearbeitung Ihres Themas mehrere Ordner oder besser noch eine Sammlung von Karteikarten anlegen! Beide Hilfsmittel haben den Vorteil, flexibel zu sein. Ordner und Karteikarten können jederzeit in neue Ordnungen gebracht und fast beliebig ausgedehnt werden. Und vor allem: Sie können nicht abstürzen! Bei weniger umfangreichen Arbeiten reicht in der Regel auch ein Aktenordner aus. Die Kartei oder der Ordner sind „not“-wendige Hilfsmittel zur Speicherung und zum Wiederauffinden von Informationen, die für Ihre wissenschaftliche Arbeiten unerlässlich sind. Sie sind kein juristischer Gedächtnisakrobat! Der Aufwand, den Sie für die Materialordnung betreiben, soll den daraus resultierenden Nutzen allerdings nicht übersteigen; vor allem darf das Ordnungssystem nicht zum spielerischen Selbstzweck auf Kosten schöpferischer Tätigkeit werden. Sie müssen darauf achten, dass sich die Literaturwerke nicht türmen. Auch hier gilt deshalb das Motto: Überblick behalten! Zu diesem Zweck sollten Sie sich ja auch vor der eigentlichen Lektüre mittels einer Klausurenskizze schon klar werden, nach welchen Strukturen und Problemen Sie suchen müssen. Deswegen sind ja die Themenklarstellung und –begrenzung sowie die Falllösungsskizze so wichtig! Dies alles wird Ihnen gelingen, wenn Sie sich in der Klausurlösung und im Exposé einen Überblick über die einzelnen Rechtsprobleme verschafft haben und deshalb wissen, welche Thesen, Leitsätze, Urteile und Aufsätze zueinander passen. (Hausarbeit) Die Ergebnisse Ihrer Literaturrecherche müssen Sie dokumentieren: Sie müssen festhalten, was Sie gefunden haben. Aber wie gehen Sie vor, um später nicht noch einmal alles ganz lesen zu müssen, nur um den einen Gedanken wiederzufinden? Sie legen sich folgende persönliche Materialdokumentation an: (die bei Referaten sicherlich überschaubarer ausfällt als bei Ihrer Hausarbeit) 1. Eine Rechtsliteraturkartei (Ordner), analog dem alphabetischen Bibliothekskatalog 2. Eine Schlagwortkartei (Ordner), analog dem Schlagwortkatalog der Bibliothek 3. Eine Personenkartei (Ordner), analog dem Autorenverzeichnis der Bibliothek 4. Ein Rechtsprechungsverzeichnis (Ordner) mit Stichworten und Fundstellen

Zu 1. Jede Karte in dieser Kartei enthält die bibliographischen Angaben zu einem Titel so, wie Sie ihn später auch in das Literaturverzeichnis aufnehmen. Das Buch muss eindeutig identifizierbar und auffindbar sein! Also auch die Standortsignatur aus dem Bibliothekskatalog gleich mitnotieren! Vermerken Sie auch ein Schlagwort, das Sie als Abrufreiz dem thematischen Gehalt des Textes zuordnen. In der Literaturkartei sollten Sie auch folgende „Beilagen“ aufnehmen: kurze Inhaltsangabe, selbst geschrieben; Querverweise auf Stellen in anderen Büchern; Querverweise auf Personenkartei; Querverweise auf Schlagwortkartei; zuord-bare Kopien. Zu 2. Für die Schlagwörter legen Sie eine eigene Kartei an. Auf jede Karte kommt ein Schlagwort. Dazu müssen Sie Ihre Rechtsliteratur und Rechtsprechung „verschlag-worten“, d.h. Sie ordnen Ihren dokumentierten Rechtsliteraturtiteln und ihren inhaltlichen Problemen Schlagwörter zu. Erst eine solche Kartei ermöglicht es Ihnen, Ihre Rechtsliteratur- und Rechtsprechungskartei richtig auszuwerten. Bilden Sie lieber zu viele als zu wenig solcher Schlagwörter und wählen Sie sie mit Bedacht: Wählen Sie nur solche Wörter als Schlagwörter, von denen Sie sicher sind, dass Ihr Langzeitgedächtnis sich später darunter auch eine ganz bestimmte Thematik vorstellen kann. Unter das jeweilige Schlagwort notieren Sie dann als Querverweise Titel und Fundstelle der Rechtsliteratur und Rechtsprechung von der Sie meinen, dass sie etwas zu diesem Schlagwort bringen. Zu 3. Ob Sie sich zusätzlich eine Personenkartei anlegen, ist Ihnen überlassen. Manche finden es gut, Informationen über die wissenschaftlichen Autoren und ihre verschiedenen Werke zu sammeln. Zu 4. Auch wichtige Entscheidungen, die man für seine Arbeit verwenden will, fasst man am Besten möglichst bald problembezogen in einer eigenen Kartei oder in einem eigenen Ordner zusammen. Das Lesen der Leitsätze ist nie ausreichend, sind diese doch oft missverständlich oder sogar falsch. Beachten sollte man auch, dass Gerichte wie auch juristische Zeitschriften veröffentlichte Sachverhalte und Entscheidungsgründe so stark kürzen, dass eine stringente Subsumtion unter ein Tatbestandsmerkmal kaum mehr möglich ist. Auch die Rechtsprechung sollten Sie „verschlagworten“ und in der Kartei Querverweise zu Ihrer Schlagwortkartei und Literaturkartei vermerken. Auch Hinweise auf Besprechungen und Urteilsanmerkungen dürfen hier nicht fehlen. Die Aktualisierung Ihrer Karteien und Ordner ist ein ständiger Prozess, der dann am Ende letztlich in Ihre Zitate und Ihr Literaturverzeichnis mündet; also keine Arbeit für den Papierkorb. Ob Sie sich für die Karteikarten und Ordner der herkömmlichen Papierform oder der elektronischen Form bedienen, ist Geschmacksache und bleibt jedem selbst überlassen.