Jurastudium

Aus Jura Base Camp
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Das Jurastudium wird heute von der Mehrzahl der Abiturienten gewählt, weil die juristische Ausbildung den Zugang zu dem unter Jurist als Beruf umrissenen weiten Betätigungsfeld eröffnet. Die breit angelegte Juraausbildung bietet in der Tat vielfältige Berufsmöglichkeiten. Wer „klassischer“ Jurist werden möchte, muss die „Befähigung zum Richteramt“ erwerben, auch dann, wenn er für sich ausschließt, jemals Richter werden zu wollen, sondern vielleicht viel lieber Anwalt werden will. Erworben wird die Befähigung zum Richteramt heute noch in einer komplizierten, über Jahrhunderte tradierten zweiphasigen öffentlichen Ausbildung: 1. Phase: Universitätsstudium und 2. Phase: Referendarvorbereitungsdienst, sog. „Referendariat“. Also: Erst theoretisches Studium, dann praktische Ausbildung, die jeweils durch sog. „kleine“ und „große“ Prüfungen abgeschlossen werden. Während die angehenden Studenten fast aller anderen Fakultäten schon in der Schule durch bestimmte Fächer einen Einblick in ihr künftiges Studium erhalten, wird dem angehenden Juristen nichts geboten, was ihn sein späteres Juragebiet kennen lehren könnte. Es ist fast wie bei einem „Blinddate“!

1. Der Beginn vor dem Beginn Sie sollten sich zuerst über das Jurastudium umfassend informieren, um Enttäuschungen und Umwege zu vermeiden. Dabei benötigen Sie Helfer, da – wie gesagt - Jura nicht auf dem Lehrplan Ihres Gymnasiums gestanden hat. Suchen Sie Gespräche! Ein erster Schritt besteht in der Beratung, damit der Wechsel von der Schule zur Hochschule sorgfältig vorgeplant wird. Man muss sorgfältig recherchieren! Reduzieren Sie die Gefahren einer Fehleinschätzung und Fehlentscheidung auf ein Minimum. Von einer Massenuniversität enttäuscht zu sein, ist keine Schande. Wichtig bei Ihren Überlegungen ist die informatorische Präparation! Ohne entspre- chende Erkundigungen kann es passieren, dass Sie zwischen den Stühlen sitzen. Gute Tipps ersparen viel Frust. Sie müssen sich Informationen der Fakultäten aus dem Internet besorgen, welche die wichtigsten Infos und Termine zum Studienanfang enthalten (Anmeldefristen, Belegungshinweise, Zulassungsvoraussetzung). Irgendwann werden Sie immatrikuliert. Dann müssen Sie sich Ihre Lehrveranstaltungen zusammenstellen (Studienbuch). Wichtig ist auch im Vorfeld des Studiums, schon einmal an der Universität ältere Semester anzusprechen. Auch sind Sie gezwungen, eine Menge Einführungsveranstaltungen zu besuchen. Besser man sammelt zu viele Infos als zu wenige. Ratsam ist es, sich so früh wie möglich zu informieren, am besten weit vor dem Abi. Wer sich erst nach dem Abi kümmert, bezahlt dies meist mit unnötigem Druck und Stress. Auch Eltern und Freunde können Ihnen im Anfang positive Rückmeldungen zu Ihren Talenten geben und Ihnen helfen, Ihre Stärken und Schwächen zu erkennen (Eignung zum Jurastudium). Sie können Ihnen in diesen Zeiten der Suche und Verunsicherung als wertvolle Reflexionspartner den Rücken stärken. Allerdings sollte niemand Ihnen die Arbeit abnehmen oder Ihnen den eigenen, elterlichen Willen aufzwingen!

2. Der Studienaufbau Ein realitätsnahes Studienbild vom Jurastudium zeigt ein stark reglementiertes und durchstrukturiertes Studium. Den Rahmen steckt das Deutsche Richtergsetz (DRiG) ab, welches für die Befähigung zum Richter ein (mindestens) vierjähriges Universitätsstudium sowie eine daran anschließende zweijährige Referendarzeit vorschreibt (§§ 5, 5a DRiG). Beide Abschnitte enden mit einem Examen. Das Abschlussexamen der Universitätsausbildung („Erste Juristische Prüfung“) besteht zu 70 % aus einem staatlichen Prüfungsteil und zu 30 % aus einer universitären Schwerpunktbereichsprüfung. (Schwerpunktstudium). Die Abschlussprüfung nach dem Referendariat bildet die rein staatliche „Zweite Juristische Staatsprüfung“. Die staatlichen Teile der Examina (Erstes: 70%; Zweitens: 100 %) liegen in der Kompetenz der 16 Bundesländer. Hier werden sie von sog. „Justizprüfungsämtern“, das sind Teile der jeweiligen Justizministerien, organisiert. Das Studium gliedert sich offiziell in das Grundstudium und das Hauptstudium. Sie sind jeweils auf vier Semester angelegt.

Der offizielle Studienaufbau am Beispiel der juristischen Fakultät der Universität zu Köln:

Das Grundstudium Es führt in die bis ins Examen tragenden Pflichtfächer Zivilrecht, Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Strafrecht ein, wobei auch die internationalen, wirtschaftlichen und politischen Bezüge des Rechts berücksichtigt werden sollten (sic!).

Das Grundstudium umfasst normalerweise eine Dauer von 4 Semestern (= Regelstudienzeit). In dieser Zeit sollten Sie die für die Zwischenprüfung erforderlichen Leistungen erbringen.

Dazu müssen Sie: eine Arbeitsgemeinschaft regelmäßig besuchen, 12 Klausuren schreiben und eine Hausarbeit anfertigen und alles mit mindestens 4 (ausreichend untere Grenze) Punkten bestehen. (Beurteilung juristischer Leistungen)

Bitte beachten Sie die Anmeldungsformalitäten zu Klausuren: Sie müssen sich online anmelden. Ansonsten können Sie die Klausur nicht mitschreiben. Erscheinen Sie zu einer angemeldeten Klausur nicht, wird diese mit 0 Punkten bewertet! Daher überlegen Sie sich gut, zu welchen Klausuren Sie sich anmelden (eine An- bzw. Abmeldung ist bis 7 Tage vor dem Klausurtermin online möglich). Bei Problemen können Sie sich an das Prüfungsamt wenden. Die Klausuren sind nicht uneingeschränkt wiederholbar! Die Anzahl der Versuche berechnet sich wie folgt: „Anzahl der erforderlichen Klausuren in dem jeweiligen Bereich“ x 2 + 1. Dazu ein kleines Rechenbeispiel: Im „Bürgerlichen Recht“ müssen Sie insgesamt 4 Klausuren bestehen. 4 x 2 + 1 = 9, d.h. Sie haben in diesem Bereich 9 Versuche, um die erforderliche Anzahl an Abschlusstests zu bestehen. Sollten Sie die erforderliche Anzahl an bestandenen Klausuren nicht erreicht haben, werden Sie exmatrikuliert, d.h. Sie können deutschlandweit keinen Abschluss mehr in Jura erwerben.


Das Hauptstudium Das Hauptstudium beginnt, nachdem Sie die Zwischenprüfung bestanden haben. Es gliedert sich erstens in den Pflichtfachteil und zweitens das Schwerpunktstudium.


Studienaufbau

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Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht über die Fächer und die Anzahl der zu erbringenden Scheine für die Zwischenprüfung nach dem Grundstudium:

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Haben Sie die Zwischenprüfung erfolgreich bestanden, schließt sich das Hauptstudium mit seinem Pflichtfachteil und seinem Schwerpunktstudium an.

Der Pflichtfachteil

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Die Wiederholbarkeit im Hauptstudium: Die große Hausarbeit und die Übungen sind frei wiederholbar.

Für die Klausur in den Grundlagen des Rechts II haben Sie drei Versuche.

Das Schwerpunktstudium

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Die Rede ist vom „Schwerpunktbereichsstudium“ und der entsprechenden hochschulinternen Prüfung. Die dafür vorgesehenen Wahlfächer bieten Ihnen die Möglichkeit, einen fachlich-thematischen Schwerpunkt nach Ihren eigenen Interessen zu setzen, etwa im „Unternehmensrecht“, „Urheberrecht und Wettbewerbsrecht“, „Bankrecht“, „Arbeitsrecht“, in der „Rechtsgeschichte“, im „Völker- und Europarecht“, „Steuerrecht“, „Medienrecht“, „Kriminologie“ oder „Jugendkriminalrecht“.

Die Schwerpunktseminararbeit muss mit mindestens 4 Punkten („ausreichend“) bewertet worden sein; bei Nichtbestehen gibt es eine Wiederholungsmöglichkeit. Für die Schwerpunktklausuren hat man 6 Versuche, zwei müssen mit mindestens „ausreichend“ bestanden sein (mindestens eine davon im Kernbereich).

Zusätzliche Voraussetzungen zum erfolgreichen Abschluss des Studiums Erforderlich für die Meldung zur staatlichen Pflichtfachprüfung ist eine praktische Studienzeit in zwei sechswöchigen Praktika in der vorlesungsfreien Zeit (in der Rechtspflege und bei einer Verwaltungsbehörde (2 Bescheinigungen)).

Das Examen Das Studium der Rechtswissenschaft wird mit der „Ersten Juristischen Prüfung“ abgeschlossen. Sie besteht aus einer universitären, studienbegleitenden Schwerpunktbereichsprüfung (30 %) und einer staatlichen Pflichtfachprüfung (70 %), die vor den Justizprüfungsämtern der Oberlandesgerichte abgelegt wird.

Die heiße Phase des 1. Examens ist die staatliche Pflichtfachprüfung. Sie besteht aus einer je nach Bundesland unterschiedlichen Anzahl von Klausuren im BGB, StGB und Verwaltungsrecht, als dessen Kulminationspunkt die mündliche Prüfung der staatlichen Pflichtfachprüfung empfunden wird. Generationen von Juristen erinnern sich auch noch nach vielen Jahren an ihr „Mündliches“ und wissen von „Kopf-ab-Prüfern“ ebenso zu berichten wie von „Papa Gnädig“ und von der „Tötungshemmung“ selbst noch so strenger Prüfer. Nur selten hört man Bitterböses, mehr Erheiterndes im „Feuer-zangenbowlestil“. Ein eingeführtes Novum in der mündlichen Prüfung ist der sog. „Kurzvortrag“. Hierin sollten Sie sich früh üben durch das Halten von Referaten.

In den Vorbereitungsdienst wird man aufgenommen, wenn man die „Erste Juristische Prüfung“ bestanden hat. Die frühere 1. Staatsprüfung gibt es seit der Änderung des „Juristenausbildungsgesetzes“ im Jahre 2003 nicht mehr. Das Gesetz spricht nur noch von der 1. Prüfung, weil ein nicht unbedeutender Teil der Prüfungsleistungen an der Universität zu erbringen ist.

Referendariat – Vorbereitungsdienst Beendet man die juristische Ausbildung ohne den Vorbereitungsdienst als Referendar ist man „Diplom-Jurist“. Der Vorbereitungsdienst endet nach zwei Jahren Praxis mit der „großen“ 2. juristischen Staatsprüfung. In der Praxis gilt es immer, zunächst den straf- oder zivilrechtlichen Sachverhalt, meistens durch eine Beweisaufnahme, festzustellen, auf den dann das theoretisch erworbene Recht methodisch und praktisch sicher anzuwenden ist. Diese Arbeit am Sachverhalt, die Bedeutung der Feststellung des Sachverhalts für eine entweder wertneutrale (Richter und Rechtspfleger) oder zielorientierte (Rechtsanwalt, Wirtschafts- und Verwaltungsjurist) Rechtsanwendung soll Ihnen in dem Praxisteil der Referendarausbildung vermittelt werden. Es ist ein gutes Gefühl, endlich echte Akten in den Händen zu haben und seine juristischen Kräfte an der Lebenswirklichkeit zu messen. Wer dieses Assessorexamen bestanden hat, dem bescheinigt der Staat per Gesetz die Befähigung zum Richteramt, auch dann, wenn er ihn auf gar keinen Fall in den Richterdienst übernehmen wird, weil der Staat im Regelfall nur die notenbesten Kandidaten einstellt, und das sind wenige. Man darf sich jetzt „Assessor“ nennen. Die so erworbene Befähigung zum Richteramt ist zugleich Zugangsvoraussetzung zum höheren Verwaltungsdienst, zur Rechtsanwaltschaft und zum Notariat und ist das Markenzeichen des „Volljuristen“ schlechthin. Deshalb wird von der „Ausbildung zum Einheitsjuristen“ gesprochen. Zielvorstellung war es, bei allen so examinierten Juristen ein Leitbild herzustellen: Alle sind aufgrund einer einheitlichen Ausbildung mit einem einheitlichen Rechtsbewusstsein und mit einheitlichem Methodenwissen aufgrund des Gebrauchs der gleichen, einheitlichen Fachsprache in allen volljuristischen Professionen auf jeder Stelle und auf jedem Rechtsgebiet einsetzbar. Ob diese homogene Juristenkultur angesichts der Entwicklung der hochspezialisierten Gesellschaft noch ihre Existenzberechtigung hat, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden. Dass die Ausbildung zum Einheitsjuristen formal den Zugang zu allen volljuristischen Berufen vermittelt, ist für die meisten Absolventen ohnehin eine Marke ohne Wert: Justiz und Verwaltung übernehmen nur 10 % der Juristen, die Wirtschaft 15 %. Für 75 % der Absolventen bleibt der Weg in die Rechtsanwaltschaft als einzige Chance zum Aufbau einer beruflichen Existenz. Hier ist eine dramatische Steigerung festzustellen.

3. Der Studienverlauf Die Verteilung des gewaltigen Examensstoffes auf das gesamte Studium ist von den juristischen Fakultäten in Studienplänen festgelegt, aber von einem normalen Studenten kaum durchzuhalten. Der dringende Rat: Halten Sie sich nicht an den offiziellen, sondern machen Sie sich schnell Ihren eigenen inoffiziellen Studienplan. Den rechten Studienverlauf teilt man sich am besten in vier Etappen auf. Sie sind sämtlich hart und steil. Und lassen Sie sich nichts Studienglorifizierendes von Altvorderen erzählen: Das süße Studentenleben von vor 30, 40 oder 50 Jahren hat mit der rauen, modernen Studentenwirklichkeit der Massenfakultäten nichts zu tun.

1. Etappe: Sie umfasst das wichtige erste Semester. Ein guter Jurist wird man vor allem im 1. Semester, hier wird unterkellert. Hier werden die Grundlagen für das Studium gelegt. Es ist nicht normal, nach dem 1. Semester überhaupt keinen Durchblick zu haben. Es stehen der Allgemeine Teil von BGB und StGB im Zentrum des Interesses sowie Staats- und Verfassungsrecht. (Rechtsgebiete des Erstsemesters) Daneben sollten die drei kleinen Scheine in diesen Fächern angegangen werden (StGB-AT; BGB-AT; Grundrechte). Denken Sie in dieser Phase noch an keine Schwerpunktbildung, die Chance zur Profilierung kommt noch. Besuchen Sie auch keine „Bindestrichfächer“ (im Studienplan „Grundlagenfächer“ genannt), wie Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Kriminologie. Sie verstehen einfach nichts ohne Grundkenntnisse in der Dogmatik. Auch Europarecht ohne Kenntnisse vom deutschen Recht ist ebenso vertane Zeit wie Wirtschaftsrecht ohne BGB. Hier müssen Sie die Grundlagen in den Kerngebieten legen: Zivilrecht, Strafrecht, Verfassungsrecht. Daneben sind Sie gefordert, sich die Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen (sich zu „eigen“ zu machen!), die Sie in die Lage versetzen, für einen vorgegebenen feststehenden Sachverhalt mit Ihrem erworbenen juristischen Wissen in Klausuren methodisch und rechtlich vertretbare Lösungen zu erarbeiten. Also von wegen: „Das Jurastudium ist ein Paukstudium!“ Es ist immer Rechtsanwendung. Diese besteht in der kreativen Übertragung erworbener Rechtskenntnisse und zu lernender Methoden auf einen feststehenden Sachverhalt. Ein früher souveräner Abbruch auf dieser Etappe nach geteichten Scheinen ist besser als sich bis zum Examen zu schleppen. (Studienabbruch) Es werden viele Planungsmodelle angeboten für einen Lehrstoffverteilungsplan. Begrifflich klar scheint die Zweiteilung in Makro- und Mikroplanung zu sein. Die Makroplanung zielt auf die Festlegung von fachlichen Zielen und Inhalten und deren Verknüpfung mit den dafür erforderli-chen Methoden und Instrumenten.


Lernziele des 1. Semesters

Überblick über das BGB, StGB und GG

Grundkenntnisse der Regelungskomplexe des AT BGB, AT StGB und der Grundrechte

Befähigung zur Lösung einfacher zivilrechtlicher und strafrechtlicher Fälle mit Hilfe des BGB und StGB sowie zur Bearbeitung einer kleineren Verfassungsbeschwerde aufgrund der Artikel 1 bis 19 des GG

Sie sollten mit den Lernzielen immer den Anspruch an sich stellen, einen begründeten Zusammenhang von den Lernzielen der juristischen Wissensinhalte mit den handwerklichen Methoden herzustellen. Neben diesem Begründungszusammenhang sollte die Makroplanung auch die Instrumente für die Realisierung der Ziel-, Inhalts- und Methodenvorgaben zur Verfügung stellen.


Zusammenhang von Lernzielen, Methoden und Instrumenten am Beispiel BGB und StGB für das 1. Semester:

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Die Mikroplanung, die immer den Kontext zu dem übergeordneten Makroplan des 1. Semesters zu wahren hat, legt die aktuelle Wochen- und Tagesplanung fest. (Studienalltag Stundenplan) 2. Etappe: Die besonderen Teile von StGB und BGB rücken im 2., 3. und 4. Semester in den Mittelpunkt des Studienverlaufs sowie das allgemeine und besondere Verwaltungsrecht. Ebenso tauchen die Umsetzungsrechte von BGB und StGB, nämlich Zivilprozessrecht und Strafprozessrecht auf. Es müssen neun (!) Klausuren bewältigt werden. Eine schwere Etappe, da man neben der neuen Stoffbewältigung die Kohärenz mit dem alten Stoff aus der 1. Etappe wahren und Kontiunität zeigen muss, um nicht immer wieder bei null anzufangen. Die Allgemeinen Teile und die Methodiken der Gesetzesanwendung, des Gutachtens und der Falltechnik müssen beibehalten und für die Klausuren gepflegt werden. Die 2. Etappe schließt ab mit der Zwischenprüfung.

3. Etappe: Das Hauptstudium nimmt im 5. und 6. Semester seine Fahrt auf. Hier machen Sie die großen BGB-, StGB- und Öffentliches-Recht-Scheine. Aber Vorsicht! Die Scheine verführen zu Schwerpunktdenken und –arbeiten, danach die große Pause, und dann ist plötzlich alles weg. Sie müssen Zusammenhänge schaffen. Auch schreiben Sie auf dieser Etappe Ihre Große Hausarbeit, müssen einen Schein in „Grundlagen des Rechts II“ machen und bestreiten Ihr selbst gewähltes Schwerpunktstudium. Auf dieser Etappe steht auch ein Seminar an mit einem Seminarschein im Schwerpunktbereich. Hier schreiben nicht mehr alle ein- und dieselbe wissenschaftliche Arbeit, sondern nur Sie selbst! Und Sie referieren auch selbst darüber! (Referat).

4. Etappe: Das 7. und 8. Semester stehen ganz im Zeichen des Examens. Diese Königs-Etappe erreichen Sie nur mit eiserner Disziplin und exzellenter Strategie, sonst verhungert man auf der Etappe. Nichts mehr nebenbei machen, alles abschalten. Ein Großteil dieser Etappe gehört dem Repetitor. Nur für 3 % der Studenten ist der Repetitor tatsächlich ein Wiederholer, nämlich für die 3 % mit einem IQ von mehr als 130, für den Rest – man sollte sich selbstkritisch prüfen – ist er der erste und beste Instrukteur und Motivator. Es ist die Zeit der „1000-Aha-und-Ach-so-Erlebnisse“ durch echte didaktische Profis. Irgendwann hier auf der Strecke kommt der Punkt, wo Sie das Gefühl haben, die Materie durchdrungen zu haben, ein echtes Glücksgefühl. Es ist Zeit, ins Examen zu gehen! Aber Vorsicht beim Freischuss: Länger und gut ist besser als kurz und mittelmäßig.

Ausblick In der deutschen Juristenausbildungslandschaft werden Modelle für die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen entwickelt. Dass sich die traditionell schwerfällige Juristenausbildung bewegt, liegt daran, dass der Druck, die sog. Bologna-Erklärung auch für das Jurastudium umzusetzen, von allen Seiten steigt. Im Jahre 1999 vereinbarten 29 Unterzeichnerstaaten in Bologna, einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Das Kernelement ist die Einführung eines gestuften Studiensystems aus „Bachelor“ und „Master“ mit international vergleichbaren Abschlüssen. Weit mehr als die Hälfte der Studiengänge an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen sind bereits umgestellt. Die Juristen „zieren“ sich noch! Sie werden sich von dieser Entwicklung jedoch nicht abkoppeln und vom „Einheitsjuristen“ auf den „Spartenjuristen“ (nach dem einheitlichen Bachelorabschluss spezifische, getrennte Kastenabschlüsse) einschwenken.