Studienalltag

Aus Jura Base Camp
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Wie Sie Ihren Arbeitsplatz gestalten, ist eine Frage Ihres persönlichen Geschmacks. Wie Sie Ihre Arbeitsplanung vornehmen und Ihre Arbeitszeit einteilen nicht: Dafür gibt es Regeln und Rezepte. Die Schicksalsfrage des Jurastudenten scheint zu sein, ob und in welchem Maße es seiner Studentenkultur möglichst frühzeitig gelingt, der Störung seines Studienalltags durch fehlende Planung, Struktur und Lernbereitschaft sowie träge Sekundärtugendresistenz Herr zu werden. Sich zu organisieren ist nicht immer einfach. Denn im Jurastudium gibt es nur wenige feste Strukturen, dafür aber viel Arbeit mit der Selbstorganisation: Vorlesungsoptimierung, Vor- und Nachbereitung, Studienpläne, Lehrphasen, Lernphasen, Klausurentraining, Hausarbeit. Irgendwann kommt jeder erfolgreiche Student zu der Einsicht, dass zum richtigen Studieren neben den Prozessen der juristischen Informationsverarbeitung und -gewinnung in den Lehrsälen und aus den Lehrbüchern auch so profane Dinge gehören wie: Strukturierung des Arbeitstages und Disziplin und Ordnung bei der Einteilung und Einhaltung der Arbeitszeit. Wischen Sie diese disziplinären Bedingungen, die großen Einfluss auf Ihre juristischen Studienleistungen haben, bitte nicht gleich zur Seite. Patentrezepte gibt es nicht, aber es gibt ein Prinzip und das heißt: verantwortliches Studieren. Und darum geht’s: Nur mit den Sekundärtugenden Ordnung und Disziplin wird die Juristerei die wunderbarste Enttäuschung negativer Erwartungen. Die disziplinierte Ordnung entscheidet durch eine einmalige zeitliche Einrichtung (Studientag/Studienwoche/Semester) wann, wo und wie Jura gelehrt und gelernt wird. Sie ist eine Art Wiederholungszwang und ermöglicht Ihnen die beste Ausnutzung Ihrer Zeit, während sie Ihre psychischen Kräfte schont, indem sie Ihnen in jedem gleichen Falle Zögern, Schwanken und Zweifeln erspart. Man könnte erwarten, dass sich bei den Jurastudenten von Beginn an die Wohltaten der Disziplin und Ordnung durchsetzen und ist immer wieder erstaunt, dass der Student einen fast natürlichen Hang zur Nachlässigkeit, Unordnung und Unregelmäßigkeit an den leider meist unverfassten Studentenalltag legt und sich erst mühsam an eine zeitliche Tagesordnung gewöhnt. Da der kluge Jurastudent weiß, dass er nicht über unbegrenzte Quantitäten psychischer Energie verfügt, folgt er dem Zwang der energieökonomischen Notwendigkeit: Er erledigt seine Studienaufgaben durch zweckmäßige Verteilung seiner Energien. Er plant Handlungsabläufe deshalb strategischer als bisher, geht Bündnisse mit seinen Lern- und Lehrmedien ein und gibt seinem Arbeitsalltag mehr und mehr eine Ordnung, eine Verfassung! Der Arbeitstag muss eine Struktur bekommen, eine Rahmung, keine Beliebigkeit, heute dies und morgen das, mal so und mal anders. Der Alltag wird von Routinen getragen. Das notwendige aufmerksame Lernen ist eine Frage des Einübens. Und: Es ist eine enorme Anstrengung, es muss zeitlich begrenzt und durch Pausen entlastet werden. Wenn Sie sich für eine bestimmte Studienplanung entschieden haben, müssen Sie diese dann konsequent einüben. Bis Ihnen Ihr täglicher Lernrhythmus zur Gewohnheit wird, müssen Sie mit einer längeren Trainingszeit rechnen. Das Bedürfnis nach dem Lernen darf nicht nur wie ein Gast auftreten, der plötzlich bei einem erscheint und nach seiner Abreise lange nichts mehr von sich hören lässt, sondern muss sich als Dauermieter bei Ihnen einquartieren. Das ist hart – aber nicht zu ändern. Der gute Vorsatz, die schnelle Begeisterung enden leider zu häufig in einem Strohfeuer. Sie müssen sich Handlungsstrategien schaffen, die Ihre Lernstimmung und Lernhaltung für das Juralernen stimulieren. (Lernen des juristischen Lernens)

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„Pokern“ Sie mit! Dann bekommen Sie auch kein juristisches Seitenstechen und brauchen nicht irrationale Rechtfertigungen zu suchen, warum es besser sei, auf das Lernen gleich ganz zu verzichten. Um bei der juristischen Stoffmenge nicht zu resignieren, muss man sich die Arbeit in Fernziele, Nahziele und Feinziele aufteilen, kurz-, mittel- und lang fristig denken und planen. Kein Radprofi käme auf die Idee, die „Tour de France“ in einem Stück abzufahren. Fernziel ist das Bestehen der Prüfung: Die ist noch weit, weit weg. Nahziele sind Ihre begleitenden Semesterleistungskontrollen (Scheine): Die sind schon näher. Feinziele sind Ihre Tagesetappen: Die sind jetzt. Auf diese Tagesetappen (Lerneinheit) kommt es entscheidend an. Sie müssen sich überlegen, wie sich Ihr Tagespensum (lat.: pensum, das Abgewogene) in sinnvolle und überschaubare Portionen einteilen lässt. Abwägen und gewichten müssen Sie Ihren Tageslernstoff, das bringt Erfolg und damit motivierende Freude. Ein solches portioniertes Lernen wirkt wie ein Verstärker, denn Ihr Lernen wird nicht nur erfreulicher, sondern auch wirksamer, weil es aus einer Kette von Erfolgserlebnissen besteht. Jeder Tagesetappensieg belohnt Sie innerlich. Kein Student darf am Abend so ins Bett gehen, wie er am Morgen aufgestanden ist – er muss schlauer geworden sein. Lernerfolge erhöhen die Lust an der Juristerei am meisten und heben die Stimmung; sie sind die größten Motivatoren. So entsteht gleichsam von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag eine Kettenreaktion von Erfolg zu Erfolg, bei der sich Ihr Lernen von selbst belohnt. Klar, auch Misserfolge werden sich einstellen: Das Pensum war zu schwer, das Etap-penziel zu weit entfernt. Unter keinen Umständen verbohren Sie sich aber in Ihren Misserfolg. Solch ein Verhalten senkt die Motivation auf den Gefrierpunkt und vermiest Ihnen den ganzen restlichen Tag. Weglegen! Mut zur Lücke im Tagespensum! Am nächsten Tag mit neuer Kraft (und vielleicht neuem Medium?) zu neuen Taten. Mit den verdaulichen Tagesportionen nehmen Sie Ihrem Tagesablauf etwas von seinem „Wurschtel-Charakter“. Schenken Sie sich im Übrigen reinen Wein ein: Sie müssen es ganz einfach einsehen, dass eine verfasste Tageseinteilung richtig, sinnvoll und nützlich ist – und: kleine Erfolge für Sie bereithält. „Ich habe in der von mir selbst gesetzten Lerneinheit etwas gelernt.“ „Ich kann jetzt mehr als vorher“. Die Menge Ihrer investierten Studier-Zeit und Energie muss in einer bestmöglichen Relation zum erzielten Studienerfolg stehen. Zeitpläne sind Hilfsmittel zur Strukturierung des effektiven Studierens. Sie müssen lernzielorientiert und nachprüfbar sein.

Zeit verrinnt unwiederbringlich. Optimales Lernen gelingt nur im optimalen Umgang mit der Zeit. Unverständliche Vorlesungen abzusitzen, die nichts bringen, außer dem Scheingefühl, etwas getan zu haben; 30 Lehrbuchseiten, die nicht über den Arbeitsspeicher im Gehirn hinauskommen, aber das falsche Gefühl geben, gelernt zu haben, sind kein effektiver Umgang mit der Zeit.

Es empfehlen sich für Ihr Zeitmanagement die folgenden Grobplanungen, die Sie beliebig ausfüllen können. Haken Sie die erledigten Gebiete und durchlaufenen Stunden ab. Das bringt Erfolgserlebnisse! Jeder Studientag sollte als eine Einheit inszeniert werden. Sie müssen Ihre Pläne zu Ihren eigenen Instrumenten machen!

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Das Wochenende darf nicht ausschließlich Freizeit sein. Zerlegen Sie Ihr Wochenende in vier Einheiten: Samstag Vormittag, Samstag Nachmittag, Sonntag Vormittag, Sonntag Nachmittag. Ein Viertel dieser Wochenendzeit müssen Sie mindestens (Minimum) für die Arbeit zur Verfügung stellen. Nutzen Sie sie als Pufferzeit zur Nachholung von Lernausfallzeiten in der Woche. So vermeiden Sie Unlustgefühle, die auftauchen, weil Sie Ihren Wochenplan nicht eingehalten und Ihre Lernziele nicht erreicht haben. Den „Idealplan“ kann man eben nicht einhalten. Wohl aber von vornherein einen „Realplan“. Sollte sich auch dieser Realplan einmal als undurchführbar erweisen, so verlegen Sie das Lernen des ausgefallenen Stoffes auf die Wochenendeinheit; im Übrigen dient das „Minimum 1/4“ der Wiederholung. Je weiter Ihr Lernprozess fortschreitet, desto mehr „Viertele“ werden Sie opfern müssen. Viele Studenten neigen dazu, entweder noch in der gestrigen schulischen Vergangenheit oder schon in der beruflichen Zukunft zu leben. In dieser Lerngegenwartsverlorenheit ist der schlechte Student gefangen, die Gedanken schweifen ständig nach hinten oder vorne ab. Nein! Jetzt, hier und heute wird gelernt und zwar konzentriert!

Entwickeln Sie für sich ein „Studienalltag-Optimierungs-Programm“!

Der Tagesplan soll Ihnen den entscheidenden Erfolg für die allmähliche Entwicklung Ihres individuellen Lernverhaltens ermöglichen. Der Wochenplan soll Ihnen helfen, die juristischen Tätigkeitsschwerpunkte für die fünfeinhalb Tage festzulegen, zu planen und zu kontrollieren. Beide „Pläne“ müssen mit Ihren Freizeitinteressen und anderweitigen Verpflichtungen abgestimmt und realistisch gewichtet werden. Der beste Masterplan taugt allerdings nichts, wenn er in der Schreibtischschublade verschwindet. Streben Sie eine Rhythmisierung an! Aus einer Regelmäßigkeit entwickelt sich eine günstige Lerngewohnheit (Automatisierung). Haben Sie Ihr Soll einmal nicht erreicht, sind Sie noch lange kein Versager, sondern ein „Nächstes-Mal-mach-ich-es-besser-Typ“. Entwickeln Sie eine Art von „Jobmentalität“! Sie sollten sich mehr als Manager Ihres kleinen „Unternehmens Jura“ mit Projekten und festen Arbeitszeiten verstehen. Machen Sie sich keine Illusionen! Man soll seine Vorausplanungen und Präparationen nicht überschätzen. Rechnen Sie eher mit einem Minimum an verfügbarer Zeit (Zeitfresser lauern überall)! Rechnen Sie eher mit einer abgeschwächten Motivation Ihrerseits (alles andere ist ja dringender)! Rechnen Sie eher mit einer schmalen Palette verfügbaren, behaltenen Wissens (alles schon wieder vergessen)! Der Kampf gegen das Vergessen ist noch nicht gewonnen! Rechnen Sie eher mit weniger pädagogischer und didaktischer Kompetenz Ihrer Lehrmeister (versteh ich nicht)! Machen Sie keine Sonntagsplanung, sondern eine Alltagsplanung! Eine realistische Arbeitseinteilung schafft motivierende Erfolgserlebnisse. Eine unrealistische Arbeitseinteilung verfehlt die überzogenen Ziele und ist damit demotivierend und entmutigend. Im Gegensatz zu manch einem studentischen Vorurteil: Zeitpläne schaffen Freiräume und verstopfen sie nicht. Sie sollten Ihre Zeitpläne in ein Ringbuch heften. Das bringt Ihnen die notwendige Kontrolle. Sie müssen Ihre Planvorgaben abschließen! Immer wieder neu anzufangen bringt nichts. Die Pläne sollten Sie an Ihren Lerntyp anpassen: Tagmensch – Nachtarbeiter, Lerche oder Eule

Wichtig ist, dass Sie Ihren Studienalltag diszipliniert ausfüllen und ihn in Lerneinheiten einteilen. Das unterscheidet Ihren erfolgreichen Lern-Tag vom erfolglosen zufälligen Lernen.